Quelle: https://www.coe.int/en/web/eurimages/-/external-evaluation (31.07.2020)

Um die ergriffenen ökonomisch-positiven Instrumente zu bewerten, bietet sich eine Beobachtung des Outputs an. Jedoch erschwert die Verfügbarkeit von Daten und administrative Effizienz derzeit eine Evaluation des Outputs. Die Betrachtung des zur Verfügung stehenden Budgets ermöglicht jedoch keine Aussage darüber, ob die Unterstützungsleistungen auch in Anspruch genommen wurden. Ein Vergleich der Antragszahlen und der Auszahlungssumme könnte dies ermöglichen, allerdings wird auch hier nicht klar, ob sich die finanzielle Situation von finanziell bedürftigen Studierenden verbessert hat, also das intendierte Outcome erreicht wurde.  Außerdem besteht im Juli 2020 zudem ein Problem der Datenverfügbarkeit, da einige Leistungen erst kürzlich bewilligt und ausgezahlt wurden. Beispielsweise die Überbrückungshilfe der Studierendenwerke wurde erstmalig am 29.06.2020 ausgezahlt. 

Die Evaluation des Outputs wird zusätzlich durch die administrative Effizienz eingeschränkt. Eine Bearbeitungszeit von mindestens einem Monat ist bei der Beantragung von BAföG Leistungen üblich und auch die Kopplung der Notlagenstipendien an die Studierendenräte ist ebenfalls problematisch, da zumindest in Heidelberg, die zuständigen Referate unterbesetzt sind.

Die Evaluation des Outcomes ist eng verbunden mit der Definition des Betroffenenkreises. Die Anspruchsvoraussetzungen der Leistungen exkludieren bestimmte Personengruppen von bestimmten Leistungen. Das reduktionistische Verständnis von finanzieller Betroffenheit erschwert es festzustellen, ob Studierenden die aufgrund der Pandemie Schwierigkeiten haben ihr Studium und ihren Lebensunterhalt zu finanzieren durch die Maßnahmen geholfen ist. So sind Studierende, die die Regelstudienzeit überschritten haben (evtl. aufgrund vorheriger Finanzierungsprobleme), oder ausländische Studierende nicht berechtigt Leistungen durch das BAföG zu erhalten. Aufgrund der zum Teil höheren Studiengebühren für ausländische Studierende können diese jedoch besonders betroffen sein. 

Die Überbrückungshilfe der Studierendenwerke legt als Kriterium für eine Bewilligung eine Verringerung des Einkommens fest. Eine Antragsstellung war hier jedoch erst am 19. Juni möglich. Personen die sich aufgrund einer Finanzierungslücke Geld leihen mussten sind so nicht anspruchsberechtigt, da ausschließlich der aktuelle Kontostand über eine Bewilligung entscheidet. Unabhängig von der Veränderung des Einkommens können sich durch die Schließung von Bibliotheken, Mensen und eventuelle technische Neuanschaffungen höhere Lebenshaltungskosten für Studierende ergeben. 

Für die Bewertung der Effektivität der ökonomisch positiven Instrumente ist wichtig, ob…
1) Wissen über die Maßnahmen in allen Teilen der Studierendenschaft bestand,
2) die Maßnahmen wirklich an finanziell Betroffene gerichtet sind,
3) betroffene Personen diese Unterstützungsleistungen wahrnehmen und
4) die Maßnahmen zu einer Verbesserung der finanziellen Situation beitragen.

  1. Die kommunikative Effektivität wurde in der Studie über ein Fragebogen Item zur Kenntnis der verschiedenen Maßnahmen erfasst. So wird die Kommunikation zwar generell erfasst, jedoch gibt diese Operationalisierung keine Auskunft darüber wie die befragte Person von der Maßnahme erfahren hat und wie gleichmäßig das Wissen innerhalb der Stichprobe verteilt ist. Dies wäre notwendig um Mängel in der Kommunikation zu identifizieren. 
  1. Um die individuelle Bedürftigkeit zu erfassen bieten sich eine Selbsteinschätzung der finanziellen Situation, sowie Items zur bisherigen Studienfinanzierung und des Einkommens an. Hier ist sozial erwünschtes Antwortverhalten zu erwarten, das bedeutet, dass Befragte die Antwort geben von der sie denken, dass sie von der Gesellschaft erwartet wird. Da an die Unterstützungsleistungen unterschiedliche Anspruchsvoraussetzungen gekoppelt sind müssten diese Voraussetzungen erfasst werden, um festzustellen zu können, ob der definierte Kreis an Betroffenen auch alle inkludiert. Eine Erhebung dieser Vielzahl an Variablen ist aus ethischen und Gründen des Fragebogenumfangs fraglich.
  1. Ohne Erfassung der Anspruchsvoraussetzungen ist es nicht möglich zu erklären warum eine betroffene Person, die von den Maßnahmen wusste, diese nicht wahrgenommen hat. Ursachen können neben individuellen Attributen, die Erwartung über eine Genehmigung oder behördlichen Hürden sein. 
  1. Die Frage, ob der Bezug der jeweiligen Leistung die finanzielle Situation verbessert hat, setzt die Auszahlung der Leistungen voraus. Dies war zum Zeitpunkt der Studie nicht bei jeder Maßnahme der Fall. Außerdem unterscheiden sich die Maßnahmen nicht nur hinsichtlich der Anspruchsberechtigungen, sondern auch im Leistungsumfang. Dies erschwert eine Bewertung da sich die Ausgangssituationen, wie auch die erhaltenen Mittel der Antragstellenden, unterscheiden. Zudem müssen die administrative Bearbeitungszeit und konjunkturelle Verzögerungen berücksichtigt werden, um langfristige Auswirkungen des Leistungserhaltes aufzeigen zu können.

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