In diesem Beitrag möchten wir uns mit einem Forschungsdesign von finanziellen Hilfen für Studierende auseinandersetzen. Speziell wollen wir uns mit folgenden Fragen auseinandersetzen:

  • In welchem Ausmaß wurden Studierende über die Hilfsmöglichkeiten aufgeklärt?
  • Inwiefern haben Studierende konjunkturbedingte Schwierigkeiten ihr Studium zu finanzieren?
  • Wird Studierenden adäquat geholfen bei der Finanzierung?

Wir halten eine breitgefasste deskriptive Auswertung mithilfe eines Fragebogens für angemessen.

Diese Maßnahmen lassen sich als Policy-Mix klassifizieren und können bundesweit ausgewertet werden. Die Maßnahmen beinhalten die Änderung in der Berechnung des Bafög, das Notfallstipendium, die Überbrückungshilfe, der KfW Studienkredit und im weiteren Sinne auch der einmalige Corona Kindergeld-Zuschuss. Im Folgenden werden die einzelnen Maßnahmen noch einmal kurz beschrieben.

  1. Bafög Änderung: Bafög Anträge werden weiterhin bewilligt auch wenn das Weiterführen des Studiums Corona bedingt temporär nicht möglich ist. Ebenfalls gibt es eine Anpassung der Berechnung des Bafögs. Es gibt die Möglichkeit einen Aktualisierungsantrag zu stellen in dem das aktuelle Einkommen der Eltern herangezogen wird. [1]
  2. Notfallstipendium: Ein gesondertes Stipendium, das auf einen Zeitraum von 3-Monaten begrenzt ist und sich in der Höhe an Bafög orientiert. Das Stipendium wird durch den Studierendenrat einer Hochschule gewährt. Insgesamt steht ein Budget von jährlich 100 Millionen Euro für diese Hilfe zur Verfügung. [2]
  3. Überbrückungshilfe: Kann für Juli, Juni und August gewährt werden. Der Studierende erhält bis zu 500€ im Monat, wenn er pandemiebedingt in einer Notlage ist. Die Höhe ist abhängig vom aktuellen Kontostand. [3]
  4. KfW-Studienkredit: Ist flexibel beantragbar, lange Förderung für bis zu 14 Semestern möglich mit monatlicher Förderung von bis zu 650€. Der Betrag muss allerdings mit Zins zurückgezahlt werden. [4]
  5. Corona Kindergeld-Zuschuss: Die Regierung plant einen einmaligen Zuschuss von 300€ auszuzahlen. Da viele Studenten ebenfalls Kindergeldanspruch haben, wird diese Hilfe mitbetrachtet. [5]

Relevant ist für die Betrachtung der Effizienz der Maßnahme, welche der Studierenden, die auf Hilfe angewiesen sind, diese auch erhalten haben. Dazu gehört wie bereits angesprochen der kommunikative Aspekt der Maßnahme. Dabei ist nicht wichtig welcher Anteil der Studierenden von allen Maßnahmen wissen, sondern ob Studierende mit Bedarf und Anspruch von den Maßnahmen erfahren haben. Dann ergibt sich die Frage, ob die Maßnahmen ausreichen und die Bedarfsfälle abdecken und wie einfach es ist diese zu beantragen und zu erhalten. Bürokratische Hürden und zeitlicher Verzug bei der Auszahlung sollten also ebenfalls bewertet werden.

Als Methode eignet sich hier am ehesten eine Umfrage mit deskriptiver Auswertung. Als Erhebungsmethode wäre eine Online Umfrage am einfachsten umzusetzen. Unter https://www.soscisurvey.de/corona-eval/ können Sie an der von uns erstellten Umfrage teilnehmen, die testweise erstellt wurde.

Unter https://documentcloud.adobe.com/link/track?uri=urn:aaid:scds:US:6c1933c3-7f9c-45cc-8ef9-de179ef7cd8b können sie die Umfrage betrachten, ohne daran teilzunehmen und einige Hintergrundinformationen zu den Fragen zu erhalten.

Die Umfrage besteht aus folgenden Teilen und dient zur Beantwortung der oben gestellten Fragen:

  1. Soziodemografischer Hintergrund: Ausbildungsstatus, Geschlecht, Alter
  2. Ermittlung der Einkommenshöhe und -quellen: Eine Reihe von Dummy-Fragen zu Einkommensquellen (Familie, Bafög etc.) und eine klassifizierte Frage nach dem momentanen Einkommen.
  3. Hintergrundinformationen zu Maßnahmen und Frage nach Kenntnis
  4. Zustimmung des Antrags und Erhalt der Zahlung

Bei der Erstellung einer freiwilligen Umfrage ist die zeitliche Limitierung der Teilnehmer zu beachten, da sonst fehlerhafte Antworten oder schlimmer ein Abbruch der Umfrage folgt. Daher beschränken wir uns ausschließlich auf notwendige Fragen. Von großer Wichtigkeit ist es auch eine ausreichende Anzahl an Beobachtungen zu sammeln. Deshalb ist es wichtig über möglichst viele Wege die Umfrage zu verbreiten, vor allem wenn keine finanziellen Anreize bestehen und deshalb wahrscheinlich nur wenige an der Umfrage teilnehmen.

Wir haben versucht die Umfrage innerhalb kurzer Zeit auszuführen. Dementsprechend konnten wir nur eine kleine Anzahl an Beobachtungen sammeln. Daher können die Ergebnisse vorerst nur als Indiz dienen, da sie keine statistische Signifikanz haben.

Weiter ist zu beachten, dass zur Auswertung der Implementation der Maßnahmen (also vor allem bürokratische Hintergründe) es wahrscheinlich wichtig ist eine von Studierenden vorzunehmen, die bekanntlich mit finanziellen Schwierigkeiten belastet sind also ein probability sampling, da ansonsten die Anzahl der Beobachtungen, vor allem bei gering genutzten Maßnahmen, schwer zu beurteilen ist.

Auch relevant ist die Frage des Hochschultyps, da sich viele Maßnahmen auf den Universitäten Hochschultyp beschränken und andere Formen der tertiären Bildung ausgeschlossen scheinen. Daher ergibt sich hier auch eine weitere Frage, die untersucht werden kann.

Eigene Darstellung, Daten basierend auf Umfrage.

Das oben dargestellte Histogramm zeigt das Antwortverhalten zu dem Fragebogen Item „Hat sich Ihr Einkommen in Folge der Corona Pandemie verringert?“. Während sich bei 56,2% der Befragten das Einkommen nicht verringert hat (Antwortkategorien: Trifft (eher) nicht zu), kam es bei 31,2% der Befragten zu einer pandemiebedingten Verringerung des Einkommens. Trotz des kleinen Samples ist dies ein Indiz dafür, dass ein Teil der Studierenden sich in Folge der Pandemie in finanziellen Schwierigkeiten befindet und somit ein Bedarf an finanzieller Unterstützung besteht.

Dieser Bedarf müsste sich in den beantragten Maßnahmen wiederspiegeln, dies ist in unserem Sample jedoch nicht der Fall. Nur eine Person hat eine finanzielle Unterstützungsleistung (BAföG) beantragt. Dies könnte bspw. davon stemmen, das Betroffene die Hilfen nicht als ausreichend betrachten oder eine geringe Erfolgsquote erwarten (also davon ausgehen keinen Anspruch zu haben).

Diese Grafik visualisiert das Wissen über die verschiedenen finanziellen Unterstützungsmaßnahen unter den Studienteilnehmer*innen. Während 75% der Teilnehmer*innen von dem Corona Kindergeldzuschuss wussten, ist das Wissen über die anderen Maßnahmen deutlich weniger verbreitet. Aufgrund unserer Samplegröße können wir jedoch die Kommunikation der Maßnahmen nicht generell bewerten.

Zusammenfassend kann man also sagen das als Methode eine Umfrage am geeignetsten ist, die sich an zwei Gruppen richtet und deskriptiv ausgewertet wird. Studierende allgemein (zur Auswertung des Bedarfs der finanziellen Hilfe und der Feststellung der Einkommensentwicklung) und eine weitere Gruppe bei der speziell bedürftige Studierende betrachtet werden (vor allem zur Auswertung des Kommunikationserfolgs und der Implementation der Maßnahmen). Die Umfrage der bedürftigen Studierenden müsste frequentiert mit denselben Studenten stattfinden, um die Bearbeitungszeit der Anträge und die Erfolgsquote zu prüfen.

Quellenverzeichnis:

[1] https://www.bafög.de/keine-nachteile-beim-bafoeg-wegen-corona-756.php

[2] https://www.stura.uni-heidelberg.de/angebote/notlagenstipendium/

[3] https://www.xn--berbrckungshilfe-studierende-06cf.de/start

[4] https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Studieren-Qualifizieren/Finanzie rungsangebote/KfW-Studienkredit-(174)/

[5] https://familienportal.de/familienportal/familienleistungen/corona/finanzielle-hilfen

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