Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie stellen das Familienleben vor große Herausforderungen. Aufgrund der Schließung von Kitas und Schulen drohen bei vielen Eltern Verdienstausfälle. Jedoch kommen auf Frauen und Männer unterschiedliche Schwierigkeiten hinsichtlich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu.

Eigene Darstellung, Prezi

Frauen sind also durch eine Doppelbelastung von Job und Haushalt besonders stark betroffen. Außerdem haben die negativen Folgen der Coronakrise für Frauen aufgrund des durchschnittlich geringeren Einkommens (20% weniger als Männer nach Angaben des statistischen Bundesamtes) langfristige Effekte.

„Die Hauptlast in der Coronakrise wird von den Frauen getragen. Wir müssen die sozialen Berufe, in denen zu 80 Prozent Frauen arbeiten, eben nicht nur wertschätzen, sondern aufwerten und besser bezahlen“

Franziska Giffey, Familienministerin, im SPIEGEL – Interview

“The majority of health workers are women and that puts them at highest risk. Most of them are also caregivers to family members. They continue to carry the burden of the care”

UN Exekutive Director

Maßnahmen der Familienpolitik im Überblick

weiter zur Präsentation

Bundesregierung, Informationen für Familien

Regulative Maßnahmen

Ziel: Ausbreitung von Covid-19 in Schulen und Kindergärten zu verhindern.

Instrument: negativ regulative Maßnahme

Um der weiteren Verbreitung des Coronavirus entgegenzutreten, wurden in Deutschland in den verschiedenen Bundesländern im Laufe der Woche ab dem 16. März 2020 Schulen und Kindergärten geschlossen.
Für einige Familien bedeutete der Wegfall der Betreuungsmöglichkeit eine Umstellung des Familienlebens (BMFSFJ (1)). So war zu Beginn die Notbetreuung der Kindergärten und Schulen ausschließlich für Mitarbeiter systemrelevanter Berufe verfügbar, wer nicht in einem dieser Berufe arbeitet, und nicht von zu Hause aus arbeiten kann, muss die Kinder selbst versorgen und hat keine Möglichkeit selbst zu arbeiten.

Ökonomische Mittel

Instrumente: affirmative ökonomische Mittel, da es sich um Zuschüsse, Steuererleichterungen und Investitionen handelt, die vom Staat gewährt werden. 

Lohnfortzahlung
Wer aufgrund der Schließungen ein Kind unter 12 Jahren zu Hause betreuen muss und deshalb nicht zur Arbeit, kann die finanziellen Möglichkeiten der Lohnfortzahlung beanspruchen. So kann im Fall des Verdienstausfalls von Zuhause eine Lohnfortzahlung von siebenundsechzig  Prozent beantragt werden. Nach einer anfänglichen Höchstdauer von zehn Wochen wurde die Entgeltfortzahlung rückwirkend auf bis zu zwanzig Wochen erhöht.

Teil des Konjunkturpakets
1) Kinderbonus von 300 € für jedes kindergeldberechtigte Kind im Jahr 2020. Vor allem richtet sich der Kinderbonus an Familienhaushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen, die während der Krise stärkere Einbußen erlitten haben.

Die einmalige Zahlung erfolgt in zwei Raten: im September 2020 zum Schulbeginn 150 € und im Oktober die weiteren 150€, um eine Vereinbarung für Familien zu erleichtern.  Dieser Konjunkturimpuls wird gewährt, ohne dass an einer anderen Stelle eine Anrechnung erfolgt einkommensunabhängig. Insgesamt investiert die Bundesregierung
25 Mrd. Euro für Überbrückungshilfen.

Durch den Notfallkinderzuschlag ab dem 01.04.2020 wurden über 200.000 Kinder unterstützt; Familien können bis zu 185 Euro pro Kind als finanzielle Unterstützung erhalten.

2) Entlastung für Alleinerziehende wird mehr als verdoppelt Der Entlastungsbeitrag für 2020 und 2021 wird deutlich angehoben: von bislang 1.908 Euro auf 4.008 Euro 

Der Entlastungsbeitrag ist ein zusätzlicher Steuerfreibetrag, das heißt Alleinerziehende (welche zu neunzig Prozent Frauen sind) müssen weniger von ihrem Einkommen versteuern. Quelle: Bundesagentur für Arbeit

3) Ausbau der Kindertagesbetreuung   Ziel: Vereinbarkeit von Beruf und Familie vor allem für Frauen die während der Coronakrise der Kinderbetreuung stärker nachgehen mussten. Drei Milliarden Euro investiert die Bundesregierung für den Ausbau der Kinderbetreuung

  • Kita- Ausbau, um 90.000 Betreuungsplätze zu schaffen
  • Umbaumaßnahmen, um die Hygienesituation zu verbessern
  • zwei Milliarden Euro für den Ausbau der Ganztagsbetreuung und digitales Lehrangebot zu ermöglichen

Informative Mittel

Instrument: affirmative kommunikative Maßnahme

Bundesregierung hat im Zuge der Pandemie und der damit einhergehenden Kontaktbeschränkungen eine Initiative “Stärker als Gewalt” ins Leben gerufen.

Ziel der Initiative “Stärker als Gewalt”: möglichst viele Menschen in der Gesellschaft zu Engagement mobilisieren, um Betroffenen häuslicher Gewalt zu helfen.

Die Initiative soll den Betroffenen Mut machen, sich gegen sexuelle, körperliche und psychische Gewalt zu wehren. Zudem soll sie auch Betroffenen die Gewissheit geben, dass sie Hilfe finden, wenn sie zuhause von Gewalt bedroht sind.

Die Aktion wird von mehreren Akteuren getragen:

Anlaufstellen für Beratungs- und Hilfegespräche für Betroffene:
Beratungsstellen für Frauen | Beratungsstellen für Männer

Hilfetelefon “Gewalt gegen Frauen”Bundesforum Männer
Frauenhauskoordinierungder Sozialdienst katholischer Männer
Bundesverband Frauenberatungsstellen und FrauennotrufeAntidiskriminierungsstelle des Bundes
Weibernetzdie Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt
Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen

Das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend ruft mit der Aktion dazu auf, bei Gewaltanwendung nicht wegzuschauen. 
Gewalt kann sowohl Zuhause als auch am Arbeitsplatz und im Internet eine präsente Rolle spielen.
Das Hilfetelefon “Gewalt gegen Frauen” hat darüber hinaus einen Online- Chat, E-mail Adressen ausgeweitet und persönliche Beratungen ermöglicht, damit sich Frauen, die Opfer physischer und psychischer Gewalt geworden sind, an sie wenden können und sich in einem geschützten Bereich beraten lassen können. 
 → www.hilfetelefon.de

https://familienportal.de/familienportal/familienleistungen/corona/inform ationen-eltern

https://staerker-als-gewalt.de/handeln/betroffene-haeusliche-gewalt-corona-krise

Initiative des Bundesministeriums:

Erste Befunde:
Noch gibt es wenige Studien, die ausführlich analysieren, inwieweit sich die Anzahl der Nutzer des Hilfetelefons und die Zahl häuslicher Gewalt über die Pandemie entwickelt und erhöht hat, jedoch gibt es Berichte über den Anstieg der Anrufer bei einzelnen Organisationen (Oertel 2020).

Ein Team der Professur für Global Health der Hochschule für Politik an der Technischen Universität München erforscht in einer Studie die Auswirkungen von Covid-19 auf Gewalt an Frauen und Kindern während den Ausgangsbeschränkungen in Deutschland. Nach Ergebnissen der Studie steigt “Das Risiko von Frauen und Kindern (steigt) deutlich an, wenn Frauen in Heimquarantäne waren.” (Steinert; Ebert 2020). In der Studie wird jedoch kein Vergleich zur Zeit vor der Pandemie ohne Ausgangsbeschränkungen gezogen.


Maßnahmen im europäischen Ländervergleich

Regulative Maßnahmen

Weltweit wurden, bis auf wenige Ausnahmen, aufgrund der Pandemie Kindergärten und Schulen geschlossen(CGD 2020). Besonders auffällig ist in Europa die Abweichung in Schweden, da es hier im Gegensatz zu den anderen Ausreißern hohe Covid-19 Fallzahlen gibt. In Schweden sind die Kindergärten seit Beginn der Pandemie durchgehend geöffnet, in den Schulen wurde lediglich ab der 9. Klasse der Unterricht auf digitale Formate umgestellt.

Ökonomische Maßnahmen

In den meisten europäischen Staaten gibt es finanzielle Hilfen für ArbeitnehmerInnen und UnternehmerInnen im Rahmen von Ersatzzahlungen, falls diese ihrer Arbeit nicht nachkommen können oder diese aufgrund der Pandemie verloren haben (European Commission 2020). Auch Steuererleichterungen wie erhöhte Freibeträge werden in vielen Staaten umgesetzt(ebd). In unserem Ländervergleich möchten wir auf die etwas spezieller auf Familien ausgelegte Angebote eingehen und einige Beispiele nennen.

In Spanien gibt es  Zuschüsse für Mahlzeiten. In Litauen zahlt die Regierung großen Familien bzw. Familien mit niedrigem Einkommen Einmalzahlungen von 120 € pro Kind. In Slowenien erhalten Familien mit mehr als 3 Kindern oder niedrigerem Einkommen einen sogenannten Krisenbonus, außerdem werden 85% der Kindergartenbeiträge jedes Kindes übernommen(ebd).

Informative Maßnahmen

Ähnlich wie in Deutschland gibt es in den meisten Ländern staatliche Informationsangebote für Familien. Hier ein Beispiel des Bundesministeriums aus Österreich (Bundesministerium 2020).

Die britische Regierung veröffentlicht außerdem eine Orientierungshilfe für Eltern zum Umgang und zur Kommunikation mit Kindern in Zeiten von Corona in Bezug auf mentale Gesundheit (Public Health 2020).


Literaturverzeichnis

Illustrationen:Bild von Gerd Altmann auf Pixabayhttps://pixabay.com/de/illustrations/search/corona/

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